Armut

Hansohm

Geld und Kirche – zwei Begriffe, die nicht zusammenzupassen scheinen, ein Bereich, in dem sich hitzige Debatten entzünden und vielfach – begründet oder nicht – Kritik laut wird. Im Visier sind dabei oft die augenfälligen Dinge, wie z.B. die Automarke, Gebäude und Einrichtungen.

Ja, es ist richtig und wichtig, dass Kirche und Ordensgemeinschaften ihren Lebensstil und finanzielle Entscheidungen kritisch hinterfragen. Ohne genaue Einblicke und ohne die Zusammenhänge zu kennen, wird man jedoch der Materie nicht gerecht.

 

Wir Arme Schulschwestern v.U.L.Fr. geloben sog. evangelische Armut, d.h. wir suchen uns Jesu Haltung gegenüber dem Besitz bzw. seinen Umgang mit Armut und den Armen zu eigen zu machen. So geht es um weit mehr, als Geld sparsam zu verwenden oder auf bestimmte Dinge zu verzichten.

Wer sich aus der Erfahrung von Gottes Liebe ganz ihm überlässt, verlässt sich letztlich auf ihn, im Bewusstsein, dass wir Menschen uns selbst nicht absichern können. In einer solchen inneren Freiheit brauche ich mich nicht über Besitz zu definieren. Wenn ich Gott als Schöpfer, mich selbst als Geschöpf wahrnehme, bin ich mir dessen bewusst, dass ich das, was ich bin und habe, nicht ausschließlich mir selbst zuschreiben kann, ja dass die entscheidenden Güter gar nicht erworben werden können, sondern Geschenk sind. So verstanden, sehe ich mich als die Beschenkte bzw. als Verwalterin dessen, was mir zur Verfügung steht oder anvertraut wird.
Daraus ergibt sich zum einen eine innere Unabhängigkeit den Dingen gegenüber, zum anderen ein ehrfurchtsvoller Umgang mit der Schöpfung.

Aus dieser Haltung heraus pflegen wir bewusst einen einfachen Lebensstil und haben alles gemeinsam. Dazu gehört auch, dass wir „die materiellen, geistigen und geistlichen Güter dankbar empfangen und mit anderen teilen“ (Lebensregel Ihr seid gesandt K 16).
Dies gilt zunächst für unser Leben in der Gemeinschaft, die eine Gütergemeinschaft ist, von der wir „im Gebrauch der Dinge und in der Verfügung über Vermögen abhängig“ (Lebensregel Ihr seid gesandt K 15) sind.
Klar ist, dass wir dabei unserer Verantwortung gegenüber der Gesundheit der Einzelnen, einer hinreichenden Ausstattung für die Berufsarbeit sowie Einrichtungen und den uns anvertrauten Menschen Rechnung tragen müssen.

Mit anderen zu teilen, das gilt auch über die Kongregation hinaus. Unter Berufung auf unsere Gründerin Theresia Gerhardinger geben wir den Armen den Vorrang, d.h. wesentlich sehen wir uns der Sorge um Benachteiligte verpflichtet. Darüber hinaus setzen wir uns dafür ein, dass „die Ursachen der Ungerechtigkeit behoben werden, um eine Welt des Friedens, der Gerechtigkeit und Liebe aufzubauen“ (Lebensregel Ihr seid gesandt K 17).

Mit Blick auf unsere Gründerin Theresia Gerhardinger betrachten wir die Armut als das Fundament unserer Kongregation. Verankert ist das Gelübde evangelische Armut in der Hingabe an Gott: „Unser Halt ist Gott allein, der uns den Frieden und die Freude schenkt, der uns zufrieden macht mit dem, was wir empfangen, und uns befreit vom eigensüchtigen Verlangen nach Besitz.“ (Lebensregel Ihr seid gesandt K 16)


Bildquelle: Jürgen Hansohm  / pixelio.de

 

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